Head
Lampe
emptyHeadfont
Blaukopf
emptyempty
empty
empty
empty
empty
empty
emptyemptyemptyemptyemptyemptyemptyempty
2001

YEN

er ist ein Sprüher
seit fast sechzehn Jahren schon
er malt die besten Buchstaben
aus dem Ruhrgebiet
finde ich

angefangen hat er
nach einem Besuch in New York
wo er einen der ersten Sprüher traf: SEEN
in Brooklyn haben sie ihn gejagt
weil sie seine Kleidung haben wollten
er hatte Tarnkleidung an

er hat eine Stoffwechselstörung
im Gehirn
wenn er mit der Straßenbahn fährt
kriegt er Schweißausbrüche
und muss verschwinden
in Autos fährt er nur mit
wenn er den Fahrer sehr gut kennt

dazu säuft er wie ein Loch
früher nahm er noch Ecstasy
und andere Drogen
das kommt gut
mit so einer Krankheit

ich habe ihn nur
ein paar Mal gesehen
einmal bei mir zu Hause
da hat er sein Photoalbum mit gebracht
gute Graffitis waren da von ihm
dazwischen hat er das Klo
mit seiner eigenen Scheiße
photographiert

er erzählte mir stolz
wie er an dem Tag
zum ersten Mal ganz alleine
sein Geld beim Automaten abgehoben hat
dann wollte er auch schon gehen
weil er sich die Schuld für
die schlechte Laune
unseres gemeinsamen Freundes gab


irgendwann haben wir mal
in Gelsenkirchen zu dritt
ein Bild zusammen gesprüht
legal in einem Park
das war ganz gut

dann habe ich ihn
nie mehr gesehen
auch Bilder sehe ich keine mehr
ich hörte nur
er sei in einer offenen Therapie
und arbeite in einem Altersheim

er geht ja auch nie raus
die Angst vor den Menschen
er kann kein Fahrzeug fahren
nur Fahrrad
und das auch nur
um ein Bild zu sprühen

und dann die Paranoia vor der Polizei
ich habe mich immer gefragt
was macht er denn
wenn sie ihn mal erwischen
dann kann er doch nicht aufhören
das ist doch etwas
was er sehr gut kann

er hat mich sehr beeindruckt
mit seinem Können
und der Welt
in die er verdammt wurde
und dass er nicht auf dieser Erde
leben kann

04.09.01



die Zeit
rinnt Dir aus den Fingern
wie Sand
Tage streichen dahin
Wochen vergehen
im Fluge

das Geschehen
in der Welt
rast weiter
im Wirbelsturm,
die Menschen sterben,
Kinder lachen in der Sonne,
andere fangen an,
zu zweifeln

in der Nacht
bei Kerzenschein
frage ich mich heute,
was geblieben ist,
eine Handvoll Sand,
oder nur Gedanken
vielleicht habe ich
auch mal was geschafft.

25.09.01



der Rotz der Gesellschaft
landet in allen Suppen
nur nicht bei denen
die sie eigentlich
auslöffeln sollten

das Leben würzen
mit Geschmacksverstärkern
und Aromastoffen,
um eine perfekte Illusion
zu schaffen

oder man spritzt sich
Galle in die Adern,
um dem Traum
zu entgehen und
leckt die Pflasterstein
nach Resten ab,
die an den Schuhsohlen
der Glücklichen kleben,
um auch ein Stück
vom Erdbeerjoghurt
der Zivilisation
zu kosten

25.09.01